Wir hetzen durch den Tag und gönnen uns kaum ruhige Momente, man muss die verfügbare Zeit ja bekanntlich auch sinnvoll nutzen. Das Leben ist anstrengend genug, doch was wenn wir zu diesem Hochbetrieb noch dauerhafte Schmerzen hinzufügen? Wie soll das funktionieren? Nicht nur die Betroffenen sondern auch Angehörige und Freunde fühlen sich in solch einer Situation extrem hilflos. Denn welchem geliebten Menschen möchte man nicht am Liebsten jeden Schmerz dieser Welt abnehmen?  Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die aufgrund von Krankheiten, Unfällen oder Operationen kurz bis mittelfristig, mit körperlichen Schmerzen zu kämpfen haben und an jene die ihnen in dieser schweren Zeit helfen wollen.

Passt auf euch auf und mutet euch nicht zu viel zu!

In unserer Welt dreht sich alles um Leistung. Wir haben einen Job, Hobbys und unser Privatleben. Ein typischer Tag fängt bei vielen Menschen etwa um 8:00 auf Arbeit an, wo jeder Arbeitgeber bis 17:00 mindestens 100% Leistung von uns erwartet. Nach Feierabend gehen wir vielleicht noch einkaufen und machen einen Teil des Haushalts. Den Rest der Arbeit heben wir uns ja schließlich alle bis zu unserem freien Tag oder zum Wochenende auf, an dem wir uns dann dem ausgiebigen Wohnungsputz widmen. Nach dem Pflichtprogramm bleibt uns noch etwas Zeit für Sport, Freunde, den Partner und Hobbys. Selten nehmen wir uns wirklich Zeit für uns. Abgesehen von der Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Balanceaktes bringt ein gesundheitlicher Störfaktor das Gleichgewicht dann gänzlich aus der Waage.

Gesundheit ist das Wichtigste im Leben. Schmerz und Krankheit limitieren, sie sperren uns im eigenen Körper ein. Kein Job ist wichtiger, nichts steht darüber. Die Gesundheit sollte immer Vorrang haben! Merkt euch das bitte! Wir sind nicht unsterblich, wir haben nur dieses eine wundervolle Leben. Lasst uns versuchen daraus das Beste machen.

Der Störfaktor Schmerz.

Unser Alltag gelingt meist nur so lange wie es uns gut geht und wir gesund sind. Sobald wir nicht mehr richtig „funktionieren“ bricht alles zusammen. Ein einfaches Hindernis, wie eine Erkältung, passt noch gut in diese Rechnung. Sie ist zeitlich begrenzt und wir wissen auch ohne Ärzte was zu tun ist. Andere komplexere Erkrankungen sind mit professioneller Hilfe und Medikamenten ebenfalls recht zeitnah zu kurieren. Man fühlt sich gut aufgehoben, ist glücklich schnell Hilfe zu bekommen und bald wieder fit für den Alltag zu sein. Außerdem, wer freut sich denn bitte nicht mal über eine freie Woche, in der man wenigstens die letzten paar Tage halbwegs genießen kann?

Kompliziert wird es erst wenn die Ursache des Schmerzes nicht ganz klar ist. Die Therapie kann erst begonnen werden wenn die Ursache klar ist und andere Diagnosen ausgeschlossen wurden. Oft heißt das wochenlanges warten und Medikamente gegen den Schmerz zu nehmen. Dann funktioniert eine kleine Pause nicht mehr. Wir sind dazu gezwungen den Schmerz in unser tägliches Leben aufnehmen. Zusätzliche Arzttermine müssen wahrgenommen werden und man wartet nicht selten wochenlang auf einen Termin, ohne dass sich an der Situation etwas ändert. Aufstehen, Aua, auf Arbeit gehen, schwer, arbeiten, Schmerz, Mittagspause, kein Hunger wegen der Schmerzen, weiter, weiter, weiter. Endlich Feierabend! Zu Hause? Noch mehr Qual! Langsam könnte man durchdrehen. Schlafen? Mit den Sorgen im Kopf und dem Schmerz schläft man nicht gut, glaubt mir das.

Irgendwann kommt einer dieser Tage wo man einfach nur heulen könnte. Seit Wochen kämpft man darum sein Leben wieder genießen zu dürfen, man investiert viel Energie in Arztbesuche und Therapien. Trotzdem kommt man nicht voran und leidet immer noch. Der Schlafmangel raubt einem zusätzlich die Kraft für den ohnehin anstrengenden Alltag. Ich habe einen tiefen Respekt vor chronisch kranken Menschen entwickelt! Ich weiß wirklich nicht wie sie diesen Zustand dauerhaft aushalten.

Allein, weitergereicht und verzweifelt.

Wenn man eine bestimmte Untersuchung machen lassen soll und niemanden findet der noch Patienten aufnimmt oder einen Termin hat ist das extrem frustrierend. Mir wurde letztendlich empfohlen ich solle nach einem Arzt googeln. Das ist eine geläufige Methode, fühlt sich aber an wie ein Tiefschlag. GOOGELN. Da fühlt man sich doch total verarscht. Der Schmerz ist allgegenwärtig und trotzdem heißt es immer nur abwarten? Natürlich müssen bestimmte Untersuchungen gemacht werden um Verdächte auszuschließen und die Diagnose abzusichern, nur was läuft falsch dass wir wochenlang auf einen Termin warten müssen? Hier ist übrigens eine tolle Seite zur Suche von Ärzten.

Mein Rat: Bleibt stark! Versucht positiv zu denken und die schönen Dinge im Leben zu fokussieren! Nehmt euch zurück und achtet darauf was euer Körper braucht. Wenn es wirklich nicht mehr geht, dann schluckt es nicht herunter. Lasst den Ärger raus, nach einem ordentlichen Nervenzusammenbruch geht es einem oft viel besser. Sprecht mit eurem Arzt darüber! Sagt ihm wie ihr euch fühlt und behandelt auch die mentalen Begleiterscheinungen des eigentlichen Problems, denn diese wiegen oft ähnlich schwer.

Was kann man machen?

Ich weiß wir wollen alle nicht meckern oder uns ständig über unsere Wehwehchen beschweren aber beim Arzt müssen wir das! Macht euch eine Liste und tragt diese vor! Lasst nichts aus und verniedlicht nichts! Anderen geht es viel schlimmer, richtig, aber ihr seid auch wichtig! Wir haben nur diese eine  Chance das Beste aus unserem Dasein zu machen, schmeißt sie nicht weg. Nutzt jede Gelegenheit um voran zu kommen. Fragt euren Arzt immer was ihr zusätzlich tun könnt und lasst euch NICHT ABWIMMELN! Viele Ärzte wollen wegen der vollen Wartezimmer schnell weiter zum nächsten Patienten, lasst ihn nicht gehen bevor ihr zumindest eine kleine Verbesserung eurer Lage erwirkt habt!

Stärkt euch gegenseitig. Freunde können in solch einer Situation nicht wirklich helfen, aber sie unterstützen wahnsinnig durch ihre Anteilnahme und Interesse. Nicht unbedingt durch Mitleid! Wenn ihr euch hilflos fühlt, fragt doch einfach wie ihr der Person in dieser schwierigen Zeit eine Freude bereiten könntet oder was uns den Tag erleichtern würde. So blöd wie es klingt: Hilfe bei kleinen alltäglichen Dingen wie dem Einkauf oder Ähnlichem ist oft Gold wert und bedeutet den Betroffenen unglaublich viel! Viele Betroffenen fragen nicht gern nach Hilfe, habt Feingefühl, sprecht einfach offen miteinander und findet raus was der andere braucht.

Platinum Rule: Behandelt die Menschen so, wie sie behandelt werden möchten. Auch wenn es euch unsinnig oder unlogisch erscheint kann das der betroffenen Person sehr helfen. Manche Dinge müssen wir nicht verstehen, sondern nur respektieren solange es denn hilft.

Wenn ihr feststellt, dass die betroffene Person nicht zurecht kommt holt bitte Hilfe. In der Verzweiflung kann man auch mal auf dumme Ideen kommen. Das ist aber nicht normal und sollte professionell behandelt werden. Auf den Internetseiten der Städte gibt es eine Auflistung der örtlichen Notdienste die ihr im Fall der Fälle kontaktieren könnt (Z.B. für Berlin). Wenn allerdings keine Zeit zum Suchen habt wählt einfach die 112, die verbinden euch auch weiter. Haltet die Augen offen! Sprecht darüber wie sich der andere fühlt.

Wie empfindet ihr das? Was hilft euch in solch einer Situation? Was wünscht ihr euch von euren Freunden/der Familie/ dem Partner? Hinterlasst mir einfach einen Kommentar, ich freue mich auf eure Erfahrungen und Ratschläge!

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